RAVENSBURG – Der Begriff Design ist in aller Munde. Er betrifft längst nicht nur mehr die Alessi-Kaffee-Kanne, sondern drängt als Schlagwort in alle Lebensbereiche. In Vorbereitung der IHK-Designwoche vom 25. bis 29. Oktober hatten das Wirtschaftsforum Pro Ravensburg (WiFo) und die Haarkosmetikfirma Kadus am Mittwochabend zu einem Kreativ-Abend „Design als Wirtschaftsfaktor“ ins Alte Theaters geladen.
Von unserer Mitarbeiterin Dorothee L. Schaefer
Eine riesige Chance zur Verbesserung des Wettbewerbs sieht der Hauptgeschäftsführer der IHK Bodensee- Oberschwaben, Helmut Schnell, im Design als Unternehmens-Leitbild. In den Sitzreihen viel Schwarz und dezentes Grau, die Designerfarben: auch in den Farben übten die rund 250 Zuhörer Zurückhaltung. Denn zumindest der erste der beiden Vorträge, locker an- und zwischenmoderiert von Ulrike Felder-Rain (SWR), verblüffte nicht wenig. Man hat „Porsche“ verstanden und hörte stattdessen Nachdenkliches, Warnendes zur Umwelt und Ökologie. Dr. Dirk Schmauser, stellvertretender Geschäftsführer der Porsche Design GmbH, einem Zirkel von zwölf Designern im österreichischen Zell am See, bot so gar nicht das Bild des ultramodernen, stromlinienförmigen Hochpreis-Designers. Eher grüblerisch und skeptisch stellte er immer wieder die Frage nach Sinn und Zweck des Designs, warnte vor Selbstherrlichkeit und Technikwahn. „Wir gestalten nahezu alles zu Tode“, und „sozial ist der Wohlstand schon lange nicht mehr“ behält man als Kernsätze in Erinnerung. Dabei wirken die Beispiele einer überraschend vielseitigen Designarbeit – Brille, Uhren, Stühle, Lampen, Elektronik- und Haushaltsgeräte bis hin zu S-Bahn-Zügen und Verpackung für Kadus – durchdacht, funktional, von klassischer Ästhetik bestimmt.
Johann Tomforde, Honorarprofessor an der FH für Gestaltung in Pforzheim, kommt aus der Automobilbranche und hat verantwortlich am „Smart“ mitgearbeitet. Derzeit stellt er seine Erfahrungen in den Dienst des 1998 gegründeten hymer idc Innovations- und Design-Centers in Pforzheim. Er brachte das sattsam bekannte Einmaleins des Marketings mit dem Design zusammen. Das mochte wohl manch anwesendem Unternehmer angenehm vertraut in den Ohren klingen, brachte jedoch wenig Neues zum Thema. Und es wurde viel vom „emotionalen“ Wert eines Produkts, vom „sympathischen“ Touch und von „Sinnlichkeit“ geredet. In der kurzen Diskussion entlarvte sich dieser Gesichtspunkt hingegen als ziemlich fadenscheinig, ging es doch hauptsächlich darum, dass Produkte Emotionen ausdrücken müssen, um Kauflust anzuregen. Viel Wortgeklingel also um die immer gleiche Fragestellung: „Wie weckt man im Kunden das begehrliche Kind, das etwas um jeden Preis haben will?“ So manches Mal mochte der nachdenkliche Zuhörer sich fragen, ob hier nicht von „Design“ geredet, in Wirklichkeit aber „Stil“ gemeint war. Ein weiteres Zeichen dafür, wie viel heute kopiert wird, anstatt Allgemeingültiges neu zu erfinden. Das beschäftigte wohl auch Dr. Thomas Knubben, dem städtischen Kulturreferenten, der die wichtige Frage nach der Qualität lebhaft vermisste. Emil Noldes „Ungemalte Bilder“ hätten auf all diese Fragen eine Antwort gehabt.
